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Literatur Bedeutende serbische Schrifsteller sind zum Beispiel der Nobelpreisträger Ivo Andric, der Pulitzerpreisträger Charles Simic, der Oscar-Preisträger Steve Tesich, der mit dem österreichischen Staatspreis ausgezeichnete Milo Dor, der mit der französischen Ehrenlegion gewürdigte Danilo Kis oder Aleksandar Tisma, welchem der Leipziger Buchpreis verliehen wurde. Hier eine Liste serbischer Schriftsteller: Freund deutscher Dichter und Denker VUK STEFANOVIC KARADZIC ist für die Serben von außerordentlicher Bedeutung, denn er stellt eine Art serbischer Kombination aus Luther, Goethe, den Gebrüdern Grimm und Duden dar: Vuk Karadzic übersetzte gemeinsam mit Djuro Danicic die Bibel zum ersten Mal in die damalige serbische Volkssprache (im Gegensatz zur Kirchensprache). Dies war zugleich die erste komplette Bibelübersetzung in eine südslawische Sprache. Weiterhin standardisierte und reformierte er die Rechtschreibung der serbischen Sprache (1850 schlossen sich auch die Kroaten der Reform von Karadzic an) und schrieb ein Wörterbuch der serbischen Sprache nach neuer Rechtschreibregelung (gemäß seinem Leitspruch: “Schreibe wie Du sprichst!”). Er sammelte serbische Volksmärchen und -lieder und machte das zur damaligen Zeit in Westeuropa weitgehend unbekannte serbische Volk in der Welt bekannt - vor allem in Österreich und Deutschland. Er war mit vielen deutschen Geistesgrößen der damaligen Zeit befreundet und bekannt - so etwa mit J. W. von Goethe, Jacob Grimm, Leopold Ranke oder Johann Gottfried Herder. Vuk Karadzic wurde damit nicht nur zum Symbol deutsch-serbischer Freundschaft, sondern durch sein Wirken als Ethnologe, Dichter, Sprachreformator, Übersetzer und eigenständiger Diplomat auch zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten der serbischen Kulturgeschichte. Mit Homer verglichen PETAR II. PETROVIC NJEGOS gilt bis heute als der bedeutendste serbische Dichter. Njegos wurde bereits als junger Mann Bischof der Serbisch-Orthodoxen Kirche und geistliches Oberhaupt von Montenegro (1830-1851). Zur damaligen Zeit hatten die geistlichen Oberhäupter in Montenegro gleichzeitig auch die weltliche Herrschaft im Lande inne. Obwohl zu Lebzeiten von Njegos Montenegro ein theokratischer Staat war, ist Njegos dennoch der bisher wahrscheinlich bedeutendste Reformator in Montenegro, denn Njegos legte den Grundstein für einen modernen montenegrinischen Staat: So richtete er eine Zentralregierung ein (im Gegensatz zur bis dato existierenden Clangesellschaft in Montenegro), die aus Landesfürst, Senat (Abgeordnete der Clans), Gvardija (Justizkörper, bestehend aus Richtern, die im Auftrag des Senats das Land bereisten und Streitfälle lösten) und Perjanici bestand (Polizei, die dem Fürsten und dem Senat unterstand). So führte Njegos 1833 auch landesweite Steuern und Abgaben ein. Er ließ Straßen bauen und die erste Buchdruckpresse importieren. Und er verteidigte das Land erfolgreich gegen die Osmanen, die er auch über die Landesgrenzen hinaus energisch bekämpfte, denn er träumte von der Vereinigung aller Serben und aller Südslawen in einen gemeinsamen, unabhängigen Staat. Heute ist Njegos jedoch vor allem für seine schriftstellerischen Leistungen bekannt. Das von ihm verfasste volkseposähnliche Werk “Der Bergkranz”, aufgrund dessen er von einigen Zeitgenossen mit Homer verglichen wurde, gilt als seine wichtigste Arbeit. Literaturnobelpreis IVO ANDRIC ist der bisher einzige südslawische Literaturnobelpreisträger. Er erhielt diese Auszeichnung im Jahre 1961, unter anderem für sein Werk “Die Brücke über die Drina”. Andric muß vorrangig als jugoslawischer Schriftsteller bezeichnet werden, andererseits ist er auch als serbischer Schriftsteller anzusehen. Andric wurde in Bosnien-Herzegowina (damals Österreich-Ungarn) in einer katholischen Familie geboren und war politisch zeitlebens ein Jugoslawist (sowohl zu Zeiten der Monarchie, als auch zu Zeiten des Titoismus). Den größten Teil seines Lebens verbrachte er jedoch entweder im Ausland oder in Belgrad und er verfasste seine Werke auf Serbisch (seine Manuskripte verfasste er überwiegend im Dialekt der in Serbien gesprochen wird und zudem in kyrillischer Schrift). Auch die Themen seiner Werke drehten sich hauptsächlich um das Leben der Serben zur Zeit der osmanischen Herrschaft. Als gereifter Schriftsteller rechnete er seine Werke daher selbst zur serbischen Literatur. Andric´s besondere Leistung ist es, daß er historische Widersprüche unter den Südslawen so anschaulich wie kein anderer darstellte, gleichzeitig aber deren Gemeinsamkeiten herausstellte, gegenseitiges Verständnis und Toleranz förderte und trotz seiner Karriere als jugoslawischer Diplomat in seinen Werken stets dem Menschen Vorrang vor der Politik gab (s.a. www.ivoandric.org.yu). MILORAD PAVIC wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Die “Sunday Times” schrieb, Pavic´s Werke bildeten “gemeinsam mit den Werken von Borges, Nabokov, Singer, Calvino, und Eco den Literaturschatz der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderrs.” In Italien, Spanien oder in Frankreich, so zum Beispiel in “Paris Match”, ging man noch weiter und bezeichnete Pavic als den “ersten Schriftsteller des 21. Jahrhunderts” bzw. als den “Autor der ersten Novelle des 21. Jahrhunderts”. In Österreich wurde Pavic gar zum “Stabführer der europäischen Postmoderne” gekürt. Pavic´s wahrscheinlich herausragendstes Werk stellt hierbei das “Chasarische Wörterbuch” dar. Dieses wird heute in zahlreichen Ländern - vor allem in Osteuropa - auch als Theaterstück aufgeführt. So hat das “Chasarische Wörterbuch” von Ljubljana bis Moskau schon etliche stehende Ovationen ausgelöst. Pavic´s Novelle “Byzantinisches Blau” wurde verfilmt. Pavics Werke wurden bisher in über 25 Sprachen übersetzt (s.a. www.khazars.com und eine Rezension des Spiegels bei Amazon). Amerikanischer Pulitzerpreis CHARLES D. SIMIC wurde 1938 in Serbien geboren und erlebte während des Zweiten Weltkriegs die zweimalige Bombardierung seiner Heimatstadt Belgrad (1941 und 1944). Nach dem Kriege wanderte die gesamte Familie Simic in die USA aus. Charles Simic ist heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einer der bedeutendsten Dichter Amerikas. Den Pulitzerpreis erhielt er im Jahre 1990 für seine Gedichtesammlung “The world doesn´t end” - dies war zugleich das erste Mal in der Geschichte des Preises, daß ihn ein Dichter erhielt. Insgesamt hat Simic bisher über 60 Bücher veröffentlicht. Im Jahre 2000 wurde er zum Vorsitzenden der Academy of American Poets gewählt. Er lehrt als Professor an der University of New Hampshire (s.a. www.poets.org). MIHAJLO PUPIN IDVORSKI (Michael Pupin) wurde 1854 im Dörfchen Idvor im Banat geboren. Als 20jähriger wanderte er in die USA aus und wurde dort einer der weltweit bedeutendsten Erfinder seiner Zeit. Er erfand unter anderem die sogenannte “Pupin-Spule”, die erstmals das Telefonieren über weite Strecken ermöglichte (s.a. www.zavod.co.yu). Für seine Autobiographie “From Immigrant to Inventor” erhielt er im Jahre 1924 den Pulitzerpreis. Pupin war außerdem der erste Vorsitzende der Serbian National Defense in den USA und lange Zeit Vorsitzender des IEEE (International Electrical and Electronics Engineers). WALT BOGDANICH der serbischstämmige Amerikaner ist dreimaliger Pulitzer-Preisträger (2008, 2005 und 1985, s.a. www.pulitzer.org). Bogdanich gehört zu den größten Kritikern des amerikanischen Gesundheitssystems. Er schrieb mehrere Bücher zu diesem Thema und produzierte Reportagereihen für Nachrichtensendungen bei CBS (für “60 Minutes”) und ABC. KIM KOMENICH. ist eine weitere serbisch-stämmige Pulitzerpreisträgerin. Sie erhielt den Pulitzer-Preis für Fotografie-Journalismus im Jahre 1987. Amerikanischer Oscar STEVE TESICH (alias Stojan Tesic) wurde in Uzice, in Serbien, geboren. Er wanderte als Jugendlicher, gemeinsam mit seiner Familie, in die USA aus, und arbeitete dort später als Schriftsteller. 1980 erhielt er für das Drehbuch für den Film “Breaking Away” den Oscar. Er schrieb u.a. auch das Drehbuch für den Film “Garp, und wie er die Welt sah” und mehrere Romane. Sein letzter Roman “Abspann” (im Original “Karoo”) wird von vielen Kritikern als einer der besten amerikanischen Romane des letzten Jahrzehnts des 20: Jahrhunderts angesehen. Tesich wurde zweimal für den “American Writers´ Guild Award” nominiert (s.a. unter der Rubrik “Film > Stars”). Französischer Orden der Ehrenlegion DANILO KIS wurde 1935 in Subotica geboren, wuchs bei seinem Onkel in Montenegro auf, studierte in Belgrad und lebte und arbeitete ab 1962 überwiegend in Frankreich - zunächst als Dozent an der Universität Straßburg, ab 1973 dann in Bordeaux. Sein vielleicht bekanntestes Werk “Ein Grabmal für Boris Dawidowitsch” wurde für das Theater umgearbeitet. “Die Anatomiestunde” schrieb Kis als Anwort auf die Kritik gegen sein Buch “Boris Dawidowitsch”. “Die Anatomiestunde” gilt seitdem als einer der wichtigsten Beiträge zur Poetologie des 20. Jahrhunderts. Kis wird (neben György Konrad und Milan Kundera) zu den “drei großen K” der mittelosteuropäischen Autoren des 20. Jahrhunderts gezählt. Er erhielt mehrere Literaturpreise in Jugoslawien, Deutschland, Italien und Frankreich. Im Jahre 1986 wurde er in Frankreich zum “Chevalier des Arts et Lettres” (Ritter der Ehrenlegion) ernannt, und erhielt damit die für einen Autoren höchstmögliche französische Auszeichnung. Er verstarb 1989 im Alter von 54 Jahren in Paris (s.a. www.kis.org.yu und www.vox-poetica.org). Österreichischer Staatspreis MILO DOR (alias Milutin Doroslovac) wurde 1923 als Sohn eines serbischen Arztes in Budapest geboren. Ab 1933 lebte er in Belgrad. 1943 geriet er als Kriegsgefangener nach Wien. Nach Kriegsende blieb er dort, und wurde später Mitglied der “Gruppe 47” und neben Elfriede Jelinek und Peter Handke zu einem der weltweit meistgelesenen lebenden österreichischen Autoren. Milo Dor war Präsident der IG Autorinnen und Autoren, Ehrenmitglied des österreichischen PEN-Clubs und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels, dem Österreichischen Staatspreis für Verdienste um die österreichische Kultur im Ausland und dem Kreisky-Preis für das politische Buch. (vgl. auch: http://www.dickinson.edu/departments/germn/glossen/heft5/dorbio.html). Leipziger Buchpreis ALEKSANDAR TISMA gilt laut “FAZ net” als der »Chronist der Grausamkeiten im Europa des letzten Jahrhunderts«. Sein Roman “der Gebrauch des Menschen” verschaffte ihm Weltruhm. 1996 wurde Tisma mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung gewürdigt. Im Jahre 2002 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste gewählt. Er verstarb im Februar 2003 in seinem 79. Lebensjahr in seiner von ihm geliebten Heimatstadt Novi Sad. Preis des schwedischen Schriftstellerverbandes MIRKO KOVAC gilt heute als der bedeutendste Schriftsteller in Kroatien. Der Serbe und gebürtige Belgrader zog Anfang der 1990er nach Rovinj und stellte sich zunächst gegen die damalige Regierung in Serbien, kurz darauf jedoch auch gegen die Regierung in Kroatien und wurde Kolumnist des damals bedeutendsten kroatischen Oppositionsblattes “Feral Tribune”. Kovac erhielt unter anderem den schwedischen Tucholsky-Preis (den Preis des schwedischen Schriftstellerverbandes) und gesellte sich damit an die Seite von Salman Rushdie, dem diese Ehre zuvor ebenfalls zuteil wurde. Unter anderem erhielt er auch den Herder-Preis. Kovacs Dramen werden seit 2003 am Belgrader Theater gespielt. SONSTIGE SERBISCHE SCHRIFTSTELLER >>>
Mehr zur serbischen Literatur ist unter folgenden Links zu erfahren: Serbische Literatur des Mittelalters: Serbische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts: Serbische Literatur des 20. Jahrhunderts: Serbische Autoren: Autoren aus Montenegro (Rezension eines “Literaturkanons” der montenegrinischen Literatur): Südlawische Autoren: Sammlung serbischer Literatur: Südslawische Online-Literaturbibliothek: Serbische Literatur (im Aufbau): Netzwerk serbischer Bibliotheken: |
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